Die Kehrwoche – zwei Seiten einer Medallie

Schild Kehrwoche

Seit mehr als 13 Jahren gehört sie zu meinem Leben, diese für mich urschwäbische Sitte und Regel der Kehrwoche. Alle drei Wochen ereilt sie mich. Und ich folge ihrem Lockruf 😉

Sie markiert den Samstag wie keine zweite Aktivität in der Öffentlichkeit. Naja, abgesehen von den hupenden Autokorso bei Hochzeiten, die ja auch gerne Samstags stattfinden.

Sie verbindet die Menschen und unterstützt den lokalen Informationsfluss. Wie oft bleibt man bei einem Kehrenden stehen, er oder sie lehnt sich auf den Besenstiel, und man hält einen kleinen Plausch.

Sie teilt die Nachbarschaft aber, speziell im Winter, in zwei Lager. Das eine Lager erledigt seine Obligenheiten so, dass man gefahrlos das Trottoir benutzen kann. Das andere Lager sieht das eher lässig und ich als Fußgänger fluche manchmal laut und lästerlich deswegen. An manchen Häusern gehe ich, nach jahrelanger Erfahrung, direkt auf der Straße; die ist wenigstens geräumt und gestreut.
Das zweite Lager kann man übrigens auch noch lokalisieren, wenn der Schnee schon eine Weile weg ist 😉

Die einen so, die anderen so
Die einen so, die anderen so

Über sie hat man Bücher geschrieben, in Calw wurde mal ein VHS-Kurs dazu angeboten, ich habe seit Jahren ein extra Kehrwoche-Schild und sie hat sogar einen Wiki-Eintrag!

Meine Meinung

Ich bin nicht immer glücklich mit ihr, also der Kehrwoche, wirkt sie an manchen Tagen doch ziemlich sinnfrei. Manchmal ist da auch so gar nichts auf dem Bürgersteig, was sich zu kehren lohnen würde. Wobei, die gute schwäbische Hausfrau findet da immer was.
Na gut, im Herbst liegen da Blätter. Aber mal ehrlich, in anderen Gegenden Deutschlands verschwinden die ja auch ohne Kehrwoche irgendwann.

Im Winter stehe ich jedoch auf die Segnungen dieser jahrhundertealten Einrichtung. Naja, nicht unbedingt, wenn ich selber um 06:00 anfange Schnee zu schieben. Das sehe ich inzwischen als eine Übung in Askese.
Aber es ist schon einfacher für uns Fußgänger, wenn die Gehsteige schneefrei sind. Dies fällt mir vor allem auf, wenn ich im Winter in der „kehrwochenfreien Zone“ der Republik unterwegs bin. Da denke ich mir dann so: Kehrwoche #wasfehlt

Wie stehst du zur Kehrwoche? Deine Meinung würde mich interessieren. Hinterlasse doch einfach einen Kommentar 🙂

Autor: Christian Kaufmann

In den unendlichen Weiten des Internet eher als Herrscher des Lakritzplanet bekannt, bloggt er seit Äonen über das schwarze Gold und hat ganz nebenbei den deutschen Lakritztag ins Leben gerufen. Privat philosophiert er als bekennender Segler gerne hier auf der blauen Linie und gehört zum Orga-Team der Schleckgöschle GbR.

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