So kochte Marie Beyerl im 19. Jahrhundert – eine Rezeptsammlung

Rezeptbuch_Titel

Anlässlich eines Umzugs bei dem ich geholfen habe, fiel mir ein offensichtlich altes Kochbuch in die Finger und ich konnte nicht widerstehen und habe da mal reingeschaut. Und war fasziniert. Das war gar kein Kochbuch, sondern eine handschriftlich verfasste Rezeptsammlung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts; begonnen 1852 (!). Schnell war klar: ich wollte nach dem Umzug noch mal einen Blick auf dieses Stück realer Alltagsgeschichte werfen!

Rezeptbuch von 1852 Einband
Rezeptbuch von 1852 Einband

Das Buch hat einen dicken Einband und auf diesem ist der Name von Marie Beyerl angegeben. Ein persönliches Geschenk?

Rezeptbuch von 1852 Seite 2
Rezeptbuch von 1852 Seite 2

Dem Buch sieht man schon von außen an, dass es alt ist und im Laufe der Zeit auch genutzt wurde. Neben den äußeren Gebrauchsspuren und vergilbten Seiten finden sich auch Fettflecke und Spuren anderer Substanzen, die in der Küche Einsatz finden, darin.

Marie Beyer (wir wissen leider nichts über sie, vermuten aber eine süddeutsche Herkunft) hat diese Rezeptsammlung mit der Hand geschrieben und es auf weit über 290 Rezepte gebracht. Eine Leistung vor der ich mich verneige.
Teilweise sind die Rezepte auch in verschiedenen Variationen hinterlegt. So finden sich 5 Möglichkeiten einen „Guglhupf“ zu backen und „Fasching Krapfen“ sind auch drei mal vertreten.

Rezeptbuch von 1852 Faschings-Krapfen
Rezeptbuch von 1852 Faschings-Krapfen

Thematisch ist diese Sammlung nach Speisegruppen sortiert; z.B. Mehlspeisen, Suppen, Kuchen usw.

Die Rezepte zu lesen, stellte sich aus verschiedenen Gründen als schwierig dar. Die ca. 160 Jahre zwischen Schreiben durch Marie Beyerl und Lesen im Jahre 2014 sind eindeutig spürbar.

  • Altdeutsche Schrift (dt. Kurrentschrift)
  • Handschrift
  • Andere Schreibweisen  für bestimmte Begriffe (Brod statt Brot, Eierdötter statt Eigelb, …)
  • Heute eher nicht mehr genutzte Mengenangaben (Maß, Seidel, …)
  • Ungewohnte Nutzung bestimmter Zeichen (die Zahl „1“ wird als „i“ (röm.?) dargestellt)
  • ungewohnter Satzaufbau

Einen ersten Überblick über die vorhandenen Rezepte gab es im Inhaltsverzeichnis, das offensichtlich nachträglich erstellt wurde, da die laufenden Nummern im Nachgang bei den Rezepten angebracht wurden.

Rezeptbuch von 1852 Inhaltverzeichnis
Rezeptbuch von 1852 Inhaltverzeichnis

Das Rezept 144 für „Mandel Krapfen“ war nach einigem Suchen dann das Objekt der näheren Betrachtung:

Rezeptbuch von 1852 Rezept 144 Mandel-Krapfen
Rezeptbuch von 1852 Rezept 144 Mandel-Krapfen

Mandel Krapfen
Nimm 1/4 Pfund Zucker, man schlage 2 Eiklar zu Schnee, rühre ein Eis dazu, rühre 1/4 Pfund gestiftelte Mandeln und 1 Esslöffel Mehl darunter, lege auf Oblaten kleine Krapfen und backe sie schön.

Gar nicht so einfach 🙂

Wer nun neugierig geworden sein sollte und Rezepte mal selber aufprobieren möchte, kann sich hier (auf das Bild klicken) probieren:

„Limonie Blatt“

Rezeptbuch von 1852 Rezept 108 Limonie-Blatt
Rezeptbuch von 1852 Rezept 108 Limonie-Blatt

„Griesstrudel in die Suppe“

Rezeptbuch von 1852 Rezept 167 Griesstrudel in die Suppe
Rezeptbuch von 1852 Rezept 167 Griesstrudel in die Suppe

All meine Bilder des Buches findest du in meinem flickr-Album.

Mein Dank gilt im Besonderen Mdm. L. Montoya, die mir Zugang zu diesem Stück Zeitgeschichte gab und mich auch unterstützte als es darum ging die alte Handschrift zu entziffern.

 

Autor: Christian Kaufmann

In den unendlichen Weiten des Internet eher als Herrscher des Lakritzplanet bekannt, bloggt er seit Äonen über das schwarze Gold und hat ganz nebenbei den deutschen Lakritztag ins Leben gerufen. Privat philosophiert er als bekennender Segler gerne hier auf der blauen Linie und gehört zum Orga-Team der Schleckgöschle GbR.

4 Gedanken zu „So kochte Marie Beyerl im 19. Jahrhundert – eine Rezeptsammlung“

  1. Prima Idee, das merke ich mir. Ich habe von meiner Großmutter (*1909) ein handgeschriebenes Kochbuch, in der Hauswirtschaftsschule für höhere Töchter war es üblich, dass das geführt wurde.

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