Ein Bahnfahrt die ist lustig, eine Bahnfahrt die ist schön

logo-db-bahnSamstagsmorgens wollte ich mich ganz entspannt in die Bahn setzen und nach Horn-Bad Meinberg reisen um den 83. Geburtstag meiner Frau Mutter zu feiern.
Die Tasche war gepackt, die Akkus für diverse Geräte geladen, das Ticket gebucht und ausgedruckt, mögliche Kalamitäten wegen des bestehenden Hochwassers überprüft und weitgehend ausgeschlossen, das Taxi zum Bahnhof geordert und der Wecker gestellt.
Eigentlich konnte gar nix schiefgehen.

Doch dann kam so eins zum anderen. Morgens 07:13 kommt die SMS der Bahn (übrigens ein echter Mehrwert dieser Service), dass mein Umsteigebahnhof Kassel-Wilhelmshöhe von meinem Zug nicht angefahren werde, da ein Baum umgestürzt sei. Es stellte sich heraus, dass der Baum dann auch noch einem ICE im Wege lag.

Vielleicht gar nicht so schlimm denke ich und schaute mich nach alternativen Verbindungen und Zugläufen um, was online im Regelfall gut machbar ist. Zu meinem Entsetzen stellte ich fest, dass augenscheinlich DER zentrale Baum der Bahn umgeblasen worden war und fast den gesamten ICE-Verkehr, nicht nur rund um Mannheim, beeinträchtigte.

Da schien gar nichts zu gehen. Irgendwie kam ich, so rein virtuell, nicht zum Ziel. Da musste ich wohl oder übel das Reisezentrum am Bahnhof Rottweil aufsuchen.
Kenner wissen: da kann es schon mal ein wenig länger dauern. Ein Grund, warum ich Besuche dort gerne vermeide.
Um hier nicht in Zeitdruck zu geraten rief ich City Taxi an, um meinen Abholtermin 15 Minuten vor zu verlegen, was mir auch gerne bestätigt wurde.

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch guten Mutes. Jedenfalls bis zu dem Moment in dem mein bestelltes Taxi 10 Minuten überfällig und die Zentrale nicht telefonisch erreichbar war.
Pünktlich zum ursprünglich vereinbarten Termin kam das Taxi dann. Als ich den Fahrer auf die ziemlich große Verspätung ansprach meinte er, es sei wohl was schief gelaufen und er werde sein Bestes geben; was immer das auch sein sollte.

So erreichte ich dann den gut besuchten Rottweiler Bahnhof und betrat das Reisezentrum. Nach 9 Minuten Wartezeit konnte ich mein Begehr kundtun und wurde von der diensthabenden Mitarbeiterin freundlich und weitgehend kompetent beraten.
Sie suchte mir eine vermeintlich „baumfreie“ Verbindung via Villingen heraus, die mich ebenfalls über Kassel-Wilhelmshöhe führen sollte, beschrieb und stempelte meine Fahrkarte. So würde meine Ankunft 3 Stunden später stattfinden. Einen Antrag auf Entschädigung (Fahrgastrechteformular) gab sie mir auch sofort mit.

Abfahrt wäre knapp eine Stunde später gewesen. Ich beschloss das Beste aus der ganzen Sache zu machen. Schließlich hatte ich Urlaub und ob das abendliche Grillen für mich um 18 oder 19 Uhr anfangen würde war unerheblich.

Aber kanpp eine Stunde auf den Zug warten? Kein Zeitraum, den man Samstagmorgens am Bahnhof in Rottweil verbringen möchte.
Als Dauerkunde der Bahn habe ich zum Glück den Fahrplan ab Rottweil ziemlich im Kopf und fuhr kurz entschlossen 3 Minuten später nach Villingen. Dort sollte sich die Wartezeit besser verbringen lassen. War dann auch so.
In der Sonne sitzen, Espresso trinken bei Zampolli und den Menschen in der Fußgängerzone zusehen. Unbezahlbar 🙂
20130615_ZampolliSo war ich dann gespannt, wie sich die weitere Fahrt gestalten würde. Und es ging spannend weiter.
20130615_Anzeigetafel_VSZwei Minuten vor Abfahrt zeigte die Anzeigetafel plötzlich 5 Minuten Verspätung für den IC 2370 (mit dem schönen Namen Schwarzwald) an. Die Info über den Lautsprecher kam dann genau zur offiziellen Abfahrtszeit. Nein, ich lasse mich jetzt nicht über die Informationsstrategie der Bahn aus.

Dann kam aber mein Zug. Ich fand schnell einen freien und mir genehmen Sitzplatz, der auch mit einer Steckdose ausgerüstet war. Für so einen ziemlich antiquiert wirkenden Zug nicht schlecht.
20130615_Zug_Steckdose

So besinne ich mich auf die Vorzüge des Bahnfahrens. Man hat beide Hände und im Regelfall den Kopf frei und kann die Zeit zum Arbeiten nutzen 🙂
20130615_workspaceAngenehm überrascht war ich dann, als die Zugbegleiterin direkt nach Abfahrt über Lautsprecher erklärte, dass ein Polizeieinsatz die Verspätung von nun 7 Minuten verursacht habe. Und das auch noch mal in Englisch.
Habe ich erwähnt, dass meine Umsteigezeit in Kassel-Wilhelmshöhe 9 Minuten betrug? Jetzt waren es noch 2, die mir zur Verfügung standen; das versprach noch mal spannend zu werden.

Zwischendurch stelle ich fest, dass die Streckenführung bisweilen den Namen Idylle verdient, wenn man so zwischen St. Georgen und Triberg unterwegs ist.

Dann wurde mein Ticket geprüft. Irgendwas schien nicht zu stimmen. Habe ich auch nicht wirklich verstanden. Musste ich aber auch gar nicht. Die beiden sehr netten Zugbegleiterinen lenkten schnell ein. Sie könnten zwar nicht verstehen, was die Kollegin in Rottweil sich gedacht habe, als sie meine Fahrkarte modifizierte, aber das sei ja nicht meine Schuld. Gute Einstellung 🙂

Und dann sehe ich, dass es auch einen Service am Platz geben sollte. Da ich auf der Karte Ben & Jerry’s entdeckt hatte, war ich gespannt wann ich es bestellen konnte und ob es tatsächlich auch an Bord sein würde.

Baden-Baden. hier wären eigentlich 5 Minuten Aufenthalt gewesen aber es ging sehr flott weiter und der nächste Halt in Rastatt sollte pünktlich erfolgen.
Läuft, denke ich so bei mir. War dann auch so.

Es folgte die Eisprobe. Da mich niemand der für den „am Platz Service Verantwortlichen“ nach meinen Wünschen gefragt hatte, bewegte ich mich selber ins Bordbistro und frage nach Ben & Jerry’s. Wie schon befürchtet heißt die Auskunft: Tut mir leid, haben wir heute nicht an Bord. Aber man offerierte mir Magnum oder Solero. Nee, schon klar.

Der Halt Frankfurt bedeutete 12 Minuten geplanten Aufenthalt, was dafür sorgte, dass sich meine Bedenken wegen der Umsteigezeit in Kassel-Wilhelmhöhe fast verflüchtigten.
20130615_Frankfurt-skylineIn Frankfurt war auch Crew-Wechsel.
20130615_Frankfurt-bahnsteigDie neue Mannschaft fragt nach Wünschen aus dem Bordbistro. Ob das in Frankfurt aufgefüllt wurde? Versuch macht klug, dachte ich, und orderte Ben & Jerry’s. Oh, heute nicht an Bord, kam nach 10 Minuten die Rückmeldung. Ob ich ein Magnus oder Solero wollte. Wollte ich nicht.

Zwischenzeitlich bot sich immer wieder die Gelegenheit mit den Zugestiegenen Anekdoten über das Reisen mit der Bahn auszutauschen. Man glaubt ja kaum was so alles passieren kann mit der Bahn.
20130615_IC2370Kassel-Wilhelmshöhe habe ich dann pünktlich erreicht und der Umstieg lief problemlos. So erreichte ich dann tatsächlich, wie von der Mitarbeiterin im Rottweiler Reisezentrum angekündigt, Altenbeken. Hier hätte ich eigentlich noch mal in die Westfalenbahn nach Horn-Bad Meinberg wechseln sollen, aber das gab es lediglich einen Schienenersatzverkehr (SEV).
20130615_SEVDen konnte ich dank meines Cousins, der mich in Altenbeken abholte, vermeiden.
20130615_abholungFazit:
Ein langer Tag in der Bahn, mit 3 Stunden Verspätung, Störfällen, fehlendem Eis usw.
Also alles ganz normal, so aus Sicht der Bahn.
20130615_stau

 

Autor: Christian Kaufmann

In den unendlichen Weiten des Internet eher als Herrscher des Lakritzplanet bekannt, bloggt er seit Äonen über das schwarze Gold und hat ganz nebenbei den deutschen Lakritztag ins Leben gerufen. Privat philosophiert er als bekennender Segler gerne hier auf der blauen Linie und gehört zum Orga-Team der Schleckgöschle GbR.

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